"Aber die Tiefe im See kann zum Maß der Höhe werden"

Wettbewerb Kunst-am-Bau, Universität Konstanz, Neubau Gebäude X

 

Der Entwurf wurde von der Jury im Februar 2025 ausgewählt und befindet sich seitdem in der Realisierung. Für die Einweihung des Grundsteins XX ist der Sommer 2027 anvisiert.

 

Grundsteinlegungen führe ich seit 2006 aus. Diese ersten, symbolisch gesetzten Bausteine an ausgewählten Orten bilden zusammen ein mögliches Haus. 
Der Grundstein an der Universität in Konstanz soll der zwanzigste (XX) sein. 
Zwei andere Steine liegen in Sichtweite: An der tiefsten Stelle des Bodensees zwischen Fischbach und Uttwil und auf dem Gipfel des Säntis in der Schweiz. Der neunzehnte und bisher letzte Stein war jener für die Pyramidenspitze des Frankfurter Messeturms, dessen Höhe von 256 Metern fast genau der Tiefe des Bodensees entspricht. Weitere Orte mit Grundsteinen sind z.B. ein Höhleneingang bei Lascaux in Frankreich, der Tiber in Rom und der Hiei-zan bei Kyôto in Japan. 
Der „Grundstein XX“ findet seinen Platz im Innenhof Ost des Gebäudes X.
 Der Stein wird eine Grundfläche von mindestens 240 × 280 cm bei einer Höhe von ca. 25 cm haben. 
Die Maßverhältnisse des Steins orientieren sich dabei an der Ausdehnung der Universität vom Botanischen Garten bis zum Limnologischen Institut und von den Sportplätzen bis zum südlichen Parkhaus. Die tiefste Stelle der Universität am Limnologischen Institut am See und das höchste Gebäude am Campus bestimmen entsprechend die Höhe des Grundsteins. 
Auf der Oberfläche des Steins sollen groß die Buchstaben „XX“ zu lesen sein und, wie auf einem Lageplan, die Buchstaben aller Gebäude der Universität. 
Der Grundstein besteht aus mehreren Schichten Stampfbeton. In den Beton wird Sediment aus einer tiefen Stelle des Bodensees gemischt. Nach Rücksprache mit den Professoren Lutz Becks und David Schleheck vom Limnologischen Institut wird es möglich sein, mit dem Forschungsschiff der Universität, der Robert Lauterborn, auf den See hinauszufahren, um das Sediment einzuholen. 
Wie bei anderen Grundsteinlegungen üblich enthält auch der „Grundstein XX“ eine Zeitkapsel. 
Für das Befüllen dieser Zeitkapsel möchte ich Studierende aller Fachbereiche
 der Universität einladen, etwas beizusteuern, das mit dem „X“ eine Aussicht auf Zukünftiges gibt. Denn: „Wie kein anderer Buchstabe steht das X für die Suche nach dem noch Unbekannten und Unerforschten.“ (Wissenschaftsministerin Petra Olschowski am 26.4.2023, anlässlich des Spatenstichs/Gebäude X) 
Für die „Seepanoramen“ ist jene Wand vorgesehen, die in der Mall an den Innenhof Ost angrenzt. „Seepanorama“ meint für X2 den Blick, den man von
 der tiefsten Stelle des Bodensees (der See vorgestellt ohne Wasser) in Richtung Uferzone und Gießberg hat. Für die Wand in X4 wandert der Blick von der Position der tiefsten Stelle nach oben bis ungefähr zum Normalpegel. Und das Panorama in X6 zeigt den See aus der Luftperspektive, wieder in Richtung Gießberg.
 Die Maße der Seepanoramen betragen jeweils ca. 210 cm in der Höhe und 
550 cm in der Breite. Sie werden mit einem Vertikaldrucker direkt auf die Sichtbetonwand geplottet. 
Die Meßwerte für das Geländemodell des Bodensees stammen aus dem „Projekt Tiefenschärfe“ der IGKB, der Internationalen Gewässerschutzkommission für den Bodensee und sind seit ihrer Erfassung 2015 für die Öffentlichkeit bereitgestellt und frei nutzbar. 

Sichtachse von der tiefsten Stelle im Bodensee (252 Meter) zum Gießberg/Universität
Sichtachse von der tiefsten Stelle im Bodensee (252 Meter) zum Gießberg/Universität