16. Grundsteinlegung, ITO Stuttgart, 19. Juni 2021

 

Wo es heute so heiß ist, will ich Sie und Euch im Spruch zur Grundsteinlegung doch gerne am fließenden Wasser entlangführen:

 

So liegt ein anderer jener „ersten Steine“, die für mich zusammen ein Haus bilden, an der Rotach.

Diese entspringt bei Wilhelmsdorf im Oberschwäbischen und fließt in südlicher Richtung, bis sie Ittenhausen durchquert, wo ich aufgewachsen bin.

Vom Haus meiner Eltern kann man zum Beispiel an der Fischtreppe über die Rotach gelangen und findet dort am Hang eine Höhle, das Gehrenmännlesloch. Dort liegt mein sechster Grundstein.

Im Schlössle, dem Bauernhof meiner Großeltern, habe ich einen sehr alten und einen neuen Gegenstand gesucht zum Einfüllen in die Zeitkapsel des Steins.

Und von der Höhle habe ich Proben des Molassegesteins mitgenommen für die Kapsel eines der nächsten Steine, der im Bodensee, wo die Rotach bei Friedrichshafen schließlich einmündet, seinen Platz finden sollte. Und zwar an der tiefsten Stelle, zwischen Fischbach und Uttwil, in 252 Metern Tiefe.

Wir sind mit dem Schiff eines Freundes, Wolfgang Zimmermann, rausgefahren. Grit, meine Frau, hat mithilfe eines Bleilots die Tiefe gemessen, eine Bodenprobe geholt. Anschließend haben wir den Stein versenkt. Die Bodenprobe soll in die Kapsel des Grundsteins, der irgendwann auf dem Säntis in 2502 Metern liegen soll. Von der deutschen Seeseite aus ist der Säntis für mich immer Sehnsuchtsberg gewesen.

Und das Wasser des Bodensees? Fließt zum Teil als Wasser des Rheins in Richtung Nordsee. Ein anderer Teil verdunstet und wieder ein anderer wird über Rohre unter anderem nach Stuttgart geleitet, das zu 100% mit Trinkwasser aus dem Bodensee versorgt wird. Habe ich jedenfalls gelesen.

Wenn ich also hier im ITO den Hahn aufdrehe, kommt Wasser aus meiner Heimat raus. Ich fülle mir etwas ab und rühre damit die Spachtelmasse an, um die Kupferkapsel im Stein einzumörteln.

 

Das ist übrigens der zweite Stuttgarter Stein. Ein anderer liegt auf einem Hausdach. Das hängt mit dem Traum des Besitzers zusammen, das Haus nach oben erweitern zu wollen. Eine Treppe halb hinauf gab es schon, sie endete aber an einer Wand. Irgendwie ein schönes Bild dafür, daß die Verwirklichung bevorstehen könnte. Gero Beer ist heute auch hier. Ich habe Dich gar nicht mehr nach dem Baufortschritt gefragt…
Ein letzter Stein noch, den ich erwähnen will, weil er in Japan liegt, am Hiei-zan bei Kyoto. Von dort habe ich eine kleine Tonscheibe mitgebracht und nehme sie für die Kupferkapsel dieses Steins.
Sonst waren die Freunde des ITO Raums angefragt, auch etwas Geschriebenes oder einen kleinen Gegenstand hinzuzugeben. Einiges kam zusammen und es lag in einer der beiden Schranknischen während der Ausstellung aus. Danke möchte ich sagen für die große Beteiligung! Und ich habe das Gefühl, es stehen gute Geister über dieser Grundsteinlegung, gute Kami.

 

Mein Dank geht auch an das Tiefbauamt in Stuttgart, besonders an Jens Schumacher. Er ist Geoinformatiker, war mit mir vor fast 30 Jahren in Neuseeland unterwegs, so lange kennen wir uns schon. Mit Kollegen hat er ein kartographischer Raster über die Parzellen König-Karl-Straße 27 a und b gelegt, so daß ich die Ortskoordinaten einfach ablesen konnte. Das war zur Sicherheit. Denn selbst gemessen habe ich auch. Das GPS Gerät hat Kontakt zu Satelliten aufgenommen, eher schwache Signale empfangen (nur kleiner Himmelsausschnitt) und zum ersten Mal habe ich mehrere Rote Punkte, also Baufreigabescheine, mit den Annäherungswerten bestempelt. Der errechnete Mittelwert ist der Punkt für ITO, er hängt im Raum. Die anderen können erworben werden.

Es ist an der Zeit, den Stein zu versenken. Ein Spruch zum Schluß, den ich aus dem Buch über ‚Zeit im Buddhismus‘ entnommen habe, das mir die Besitzer dieses Grundstücks vom Frommann-Holzbook Verlag, Eckhart Holzboog und Sybille Wittmann, einfach so geschenkt haben, als wir uns vor ein paar Wochen zum ersten Mal trafen. Ich habe das Buch an einer beliebigen Stelle aufgeschlagen und da stand der Anfangssatz von Kamo no Chomeis „Aufzeichnungen aus meiner Hütte“ (die nebenbei gesagt wohl kaum größer war als das Teehaus im ITO Garten ‚A solitude of place‘):

„Unaufhörlich strömt der Fluß dahin, gleichwohl ist sein Wasser nie dasselbe. Schaumblasen tanzen an seichten Stellen, vergehen und bilden sich wieder – von großer Dauer sind sie nicht. Gleichermaßen verhält es sich mit den Menschen und ihren Behausungen…“

Ein großer Dank an Beatrice und Peter, für die schöne und freundschaftliche Zusammenarbeit – das

hat uns hier sehr verbunden! Und an Grit, meine wunderbare Frau, die mittlerweile schon bei einigen Grundsteinlegungen tatkräftig mitwirkte.


GLÜCK FÜR DAS HAUS!